AliMaklik – Kein heiliger Abklatsch

Flattr this!

Ich höre viel Musik. Seit vierzehn Jahren so ziemlich jeden Tag. Früher viel MTV aber gleichzeitig fing ich auch im Netz zu wildern an. Mit zwölf Jahren habe ich Gangsterrap über Kazaa mit 7Kb/s gedownloadet und durch glückliche Umstände habe ich meine Mp3s von einem verreckten Pc zum nächsten gerettet. Heute schlummert dieser 50Gb Musikschatz auf einer labilen externen Festplatte. Manchmal plagen mich Albträume, dass die Festplatte den Geist aufgibt und diese Erinnnerungsträger futsch gehen, aber ich bin einfach kein Back-Up Mensch.

64849_492226368032_1539566_n

 

Meinem jugendlichen Ich muss das erwachsene Anerkennung zollen: es waren tatsächlich musikalische Besonderheiten, und nicht unbedingt die Singleauskopplungen, die zu meinen Lieblingsliedern avancierten. Dabei hatte ich nicht den den blassesten Schimmer vom Producen, für mich erschuf DJ Premier jedes einzelne Sample selbst. In meiner Generation gibt es nicht all zu viele, die sich mit den musikalischen Jugendsünden anfreunden können. Na klar habe ich Leichen im Keller aber Trash Parties machen mich nicht nostalgisch sondern nerven einfach nur. Einfach mal abspassten? Seid ma ehrlich, ihr steht doch auf den Scheiß!

Mit neun wurde ich „im Hof“ von Tommy Flinnsbach auf Hip Hop konditioniert und erst in den letzten sieben Jahren begann sich mein musikalischer Horizont etwas zu öffnen. In unserem Freundeskreis war es Rick James, der uns offenbarte, dass es noch andere gute Musikstile da draussen gibt. Danach kam die miderjährige Partyzeit in der man sich zwanghaft elektronisierte. Tatsächlich aber war es Romboys und Bodzins Trank „Atlas“ der mich zum ersten mal aktiv Elektro hören liess. Nachdem zwischenzeitlich wenig guter Hip Hop erschaffen wurde diversifizierte ich meine Musikkonsumation. Trotzdem blieb mir nichts Nachhaltiges mehr. Ich wollte mich nicht zum Mp3-Sammler degradieren, weshalb ich mit dem Hercules USB-Controller meines Kumpels Monez anfing, kleine Mixe zu arrangieren – allerdings ohne zweite Soundkarte und der Möglichkeit die Lieder vorzuhören. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich nicht die geringste Ambition. Die Mixe sollten etwas konservieren, dass man mit Mp3s allein nicht am Leben erhält. Dabei graste ich immer wieder verschiedene Musikrichtungen ab, die mich zwischenzeitlich inspirierten.

Mein jetziger Mitbewohner ist ein begnadeter Producer. Gemeinsam mit zwei weiteren Freunden haben wir das Kollektiv Holy Clap (https://www.facebook.com/clap.collective?ref=ts&fref=ts) gegründet (jaja bescheuerter Name, wir wissen es). Ehrlich gesagt übersteigen unsere Errungenschaften meine Ambitionen. Wir legen zwar immer noch mit Traktor auf, dafür aber auf immer besseren Parties. Gleichzeitig bin ich davon überzeugt, dass meine Trackselection meine fehlenden Skills ausgleicht. Ich spiele am liebsten UK-Base Tracks. Meinem empfinden kommt dieses basslastige Genre bei Leuten, welche eine Hip Hop Vergangenheit zu bewältigen haben, ziemlich gut an, während die Heavy Metaller Blawan feiern. Kurz gesagt, ich finde mein Sound ist einfach mehr „Gangster“ (https://www.youtube.com/watch?v=BOSrvc07g5w) als der melodische Deutschelektro.

Im Moment überlege ich mir, ob ich dieses Hobby noch vorantreiben soll. Ich spüre extreme Zwänge mich zu konformisieren und manuell zu pitchen. Ich verstehe die puritanischen Philosophien schon, aber nur beim Auflegen von Hip Hop, Soul und Musik mit großen Geschwindigkeitsspannen sehe ich das „richtige“ DJing als absolut notwendig an, da man sich gleichzeitig auch technischer Möglichkeiten beraubt. Aus dieser Logik heraus legen sich hoch Ambitionierte das richtige (teure) Equipment und Handwerk zu, um dann trotzdem beschissenen, uninspirierten Sound zu spielen. Aber na klar: Das Mischen mit Vinyl macht mehr her aber lasst mir wenigstens die After Hour! Spätestens dann geht es nicht mehr um solche Oberflächlichkeiten.

by AliMaklik